Tuesday, September 22, 2026
Faith BlogFrankfurt

Das Geschenk des Ganzen.

[German]

Sucht Gott, denn er lässt sich finden. Die ersten Sätze, der erste Satz aus der ersten Lesung. Und ich glaube, dieses Motiv von Suchen und Finden zieht sich ja durchs ganze Leben und natürlich auch durch das Evangelium.

Da suchen die Menschen eben Arbeit, was sie das Kommen gleichsam finden, ist am Schluss eben die Sache. Ich vermute mal, dass wir alle verschiedene Sachen suchen in unserem Leben und die ja oft dann doch sehr ähnliche Sachen sind. Was wir vermutlich suchen, ist gute und verlässliche Freunde, vielleicht eine gut bezahlte Arbeit.

Wir suchen Sicherheit, wir suchen, dass Menschen uns mögen. Wir suchen Anerkennung. Wir suchen natürlich Gesundheit.

Vielleicht sucht man manchmal auch Reichtum und Ehre. Ganz unterschiedliche Sachen, die wir suchen. Und das meistens ja auch völlig angemessen, gut und richtig, weil wir als Mensch einfach suchen, denn nichts ist.

Und die Frage ist ja auch, bei all dem, was wir als Mensch suchen in unserem Leben, welchen Teil hat denn die Gottsuche? Suchen wir in dem in unserem Leben auch immer Gott? Vielleicht die Arbeit so ganz zu sichern ist es ja nicht. Und ich finde, selbst wenn man in die Kirche geht, hat es hoffentlich was mit Gott und der Gottsuche zu tun. Aber manchmal geht es eben auch um die Gemeinschaft, die Schönen und die Filipinos feiern ja wunderbar die schönen Feiern im Anschluss an den Gottesdienst.

Also die Frage ist eben, wo ist denn das Thema der Gottsuche Sonntag oder in der Woche Thema in meinem Leben? So in der jesuitischen Tradition gibt es ja diesen Satz von Gott suchen und finden in allen Dingen. Und wenn wir manchmal abends auf den Tag zurückschauen, ist ja auch immer die Frage, wo waren die Figuren Gottes in meinem Tag präsent? Wo habe ich was von Gott erlebt? Und ich glaube, wenn wir Gott suchen, was sucht denn er gerne dort, wo es eigentlich schön ist? Wo man gut ist, wo man erfolgreich ist, wo es eben läuft, wo es eben hell ist, schön und bequem zu sagen, lieber Gott, da will ich dich gerne finden. Ich glaube, es funktioniert aber irgendwie anders.

Weil Gott lässt sich, glaube ich, ganz oft dort finden, wo man gar nicht so gerne hinschaut. Manchmal dort, wo das Leben vielleicht von Angst besetzt ist. Manchmal dort, wo wir uns vielleicht schämen, wo uns etwas peinlich ist.

Wo man weiß, da ist ein Konflikt und ich müsste eben was lösen. Da ist etwas dunkel. Und gleichzeitig spürt man trotzdem oft, ich will da zwar nicht hin und auch nicht hinschauen, das ist überhaupt nicht schön, macht keinen Spaß.

Und gleichzeitig lässt sich oft genau dort etwas von Gott oder Gott selber finden. Und ich glaube, die Aufgabe in uns ist immer wieder, auch da zu schauen, wo glaube ich denn mein Leben? Lässt sich von Gott etwas finden, wo ich eigentlich nur ungern hinschaue? Das setzt vielleicht manchmal voraus, dass man mit jemand anders spricht, dass man manchmal auch zum Beichten geht, dass man Dinge ins Licht holt, die man gerne verborgen halten würde. Suche ich den Gott? Und wenn ja, wo ist denn der richtige Ort, ihn zu suchen? Der zweite Punkt, ja, die anderen beiden Punkte sind ein bisschen kürzer.

Der zweite Punkt, dieses Gleichnis von den Arbeitern in Weinberg, das Jesus erzählt, ist ja auch gesprochen in seine Zeit. Da gibt es eben die Arbeiter, die schon ganz lang von der ersten Morgenstunde arbeiten. Im Evangelium sind es quasi die, die mit dem jüdischen Gesetz, der Tora arbeiten, die immer schon religiös sind und all das machen, was ihnen gefordert ist.

Die Schriftgelehrten, die Pharisäer, die Priester, also alle, die schon lange dabei sind und immer schon das machen, was ihnen gefordert ist. Und dann gibt es die anderen Menschen, die später dazukommen. Zur Zeit Jesu waren das eben die, die nicht aus dem Judentum dann Jesus nachgefolgt sind, sondern eben die Heiden aus den heidnischen Gegenden, die dann eben Christen geworden sind durch die Taufe.

Die haben nicht diese lange gemeinsame Geschichte, sondern die kommen dann später dazu, vielleicht um Mittag oder Nachmittag sogar. Und es gibt noch so viele Menschen, die nochmal später dazukommen, weil das Leben oft richtig kompliziert, richtig schwierig ist und manchmal so furchtbar, dass man überhaupt keine Möglichkeit hat, so im Weinberg Gottes zu arbeiten. Ich möchte eine Geschichte teilen, die mich seit ein paar Wochen wirklich beschäftigt und die Sie vielleicht ja auch kennen, ähnlich im eigenen Kreis.

Ich war ja im Sommer auf den Philippinen, drei Wochen, war wunderbar. Und ich bin mit dem Schiff gefahren von Manila nach Cebu. 24 Stunden dauerte die Fahrt.

Und dann habe ich eine junge Frau kennengelernt, da muss ich ein bisschen unterhalten, und dann hat sie gesagt, ja, sie war halt in Manila und wollte eigentlich purpley vor, dass sie halt nach Dubai gehen kann, um dort zu arbeiten. Und dann hat sie so halbweger ihre drei Kinder bekommen in Cebu. Und dann ist sie nicht nach Dubai geflogen, sondern wieder her.

Und wahrscheinlich gibt es solche Geschichten immer und überall und tausendmal, und es ist oft schmerzhaft, traurig oder auch die Zerrissenheit, was ist das Beste, sorgen für die anderen, das halbwege die Familie. Und da kann man manchmal auch verstehen, dass die Frage, habe ich jetzt noch Zeit für im Weinberg zu arbeiten, aber da ist oft gar keine Zeit mehr, weil eben das Leben in aller Dramatik und in aller Unsicherheit eben auch noch viele Fragen hat. Und ich glaube, in dem Evangelium, das Verrückte ist ja, die, die immer schon da sind, interessieren sich überhaupt nicht für die, die später kommen.

Für die, die immer schon da sind, ist alles klar. Dann reden sie auch noch an, wie das für die hintut. Wir sind auch immer schon da.

Kein Blick eben für die anderen, die später kommen. Kein Blick vielleicht auch für die, die haben halt gar keine Fragen. Warum wart ihr noch nicht da? Wo seid ihr? Sondern aus so einer Selbstsicherheit, die falsch ist, die eben keinen Blick hat für den anderen.

Und wenn Jesus ganz am Ende des Evangeliums eben sagt, die Letzten werden die Besten sein, dann ist ja auch die Aussage, seid euch nicht so sicher in eurem Wissen über Gott und wie Gott funktioniert, sondern irgendwie das große Herz zu haben, auch für die, die später kommen, das Herz zu haben, für die, die vielleicht gar nicht die Möglichkeit hatten, zu kommen, weil sie mit ganz vielen anderen Sachen beschäftigt sind. Und der dritte kurze Punkt, es bekommen ja alle einen. Ein Binar, das gar nicht so viel Geld, sondern es ist einfach mehr Geldbetrag zur damaligen Zeit, der reicht, dass man einen Tag vernünftig leben kann.

Also da spart man keine Reichtümer an, auf dem Sparbuch oder auf dem Jibo-Konto, sondern damit kann man einen Tag vernünftig leben. Und vielleicht ist ja, glaube ich, der Punkt, wenn ja der eine sagt, warum bekommen wir nicht mehr, vielleicht ist ja der eine Punkt, um was es geht, und das ganze Gleichnis hat ja mit dem Reich Gottes zu tun, dass eben bei all dem, wie wir uns bemühen, in unserer Unterschiedlichkeit, dass wir nicht irgendwie Teile bekommen. Wir bekommen ja nicht irgendwie einen Teil vom Reich Gottes, der eine ein bisschen mehr Teile, der andere ein bisschen weniger Teile, sondern was wir bekommen, und ich glaube, dafür steht der Binar, den eben alle bekommen, dass wir das Ganze bekommen.

Das Reich Gottes ist nicht irgendwie aufgeteilt in unterschiedliche Teile, der eine gibt sieben Zwölftel, der andere zwei Achtel oder was, sondern wir bekommen das Ganze. Und ich glaube, Gott will, dass wir das Ganze bekommen, weil eben das Reich Gottes zu allen Menschen gekommen ist, und dass sie damit ein bisschen teilhaben, sondern in dem, wie wir sind, dürfen wir da vertrauen, dass es eben auch für uns, für das Ganze des Reichsgottes reicht.

Amen.

~Rev. Father Christoph Soyer SJ


[English]

God gives everyone the gift of the whole.

“Seek the Lord, for he lets himself be found.” The first sentence from the first reading. And I believe this motif of seeking and finding runs through our entire lives, and naturally through the Gospel as well.

There, people are looking for work; what they end up finding, as it were, is the core of the matter in the end. I suppose we are all looking for different things in life, yet so often they turn out to be very similar. What we are likely seeking are good, reliable friends, perhaps well-paying work.

We look for security, we look for people to like us. We seek recognition. We naturally seek health.

Perhaps at times one also seeks wealth and honor. Very different things that we seek. And for the most part, that is completely appropriate, good, and right, because as human beings, we simply search, for nothing is given automatically.

And the question arises: amidst everything we seek as humans in life, what role does seeking God play? In the midst of our lives, are we always seeking God as well? Maybe securing work completely isn’t quite it. And I think that even when one goes to church, it hopefully has something to do with God and seeking God. But sometimes it is also about fellowship, the nice moments—and the Filipinos celebrate those wonderful gatherings following the church service so beautifully.

So the question is: where does the topic of seeking God feature in my life, whether on Sunday or during the week? In the Jesuit tradition, there is this phrase about “seeking and finding God in all things.” And when we look back on the day in the evening, the question is always: where were the traces of God present in my day? Where did I experience something of God? And I believe that when we look for God, we naturally prefer to search where things are pleasant—where we are doing well, where we are successful, where things are going smoothly, where it is bright, lovely, and comfortable to say: “Dear God, I’d love to find you right here.” But I believe it actually works somewhat differently.

Because God, I believe, can very often be found where we don’t particularly like to look. Sometimes where life is fraught with fear. Sometimes where we feel ashamed, or where something is embarrassing to us.

Where you know there is a conflict and something needs resolving. Where things are dark. And at the same time, you often feel: I don’t really want to go there or look at it; it isn’t nice at all, it’s no fun.

And yet, precisely there, something of God or God himself can often be found. And I believe our task, time and again, is to look right there: where do I believe in my life that something of God can be found where I am actually reluctant to look? Perhaps that sometimes requires talking to someone else, going to confession, or bringing things into the light that one would rather keep hidden. Am I seeking God? And if so, where is the right place to look for him? The second point—yes, the other two points are a bit shorter.

The second point: this parable of the laborers in the vineyard, which Jesus tells, was spoken into his own historical context. There are the laborers who have been working from the very first hour of the morning. In the Gospel, these are essentially those who work with the Jewish law, the Torah, who have always been religious and fulfill everything that is required of them.

The scribes, the Pharisees, the priests—all those who have been there for a long time and have always done what was expected of them. And then there are the other people who arrive later. In Jesus’ time, these were the ones who followed Jesus not from a Jewish background, but Gentiles from pagan lands who then became Christians through baptism.

They do not share this long common history; they join later, perhaps at noon or even in the afternoon. And there are so many people who arrive even later still, because life is often truly complicated, truly difficult, and sometimes so terrible that one has no opportunity at all to work in God’s vineyard. I would like to share a story that has really preoccupied me for the past few weeks, one you might recognize from your own circles.

This summer, I spent three weeks in the Philippines; it was wonderful. And I took a ship from Manila to Cebu. The journey lasted 24 hours.

There, I met a young woman and spoke with her for a bit. She told me she had been in Manila, actually preparing to go to Dubai to work. But along the way, she had her three children in Cebu. And so she didn’t fly to Dubai, but returned home instead.

There are probably stories like this everywhere, a thousand times over, and it is often painful, heartbreaking, torn between what is best: providing for the others, supporting the family. In such moments, one can understand why the question of whether there is still time to work in the vineyard falls away—there often simply is no time left, because life, with all its drama and uncertainty, raises so many pressing concerns. And I think the crazy thing in the Gospel is that those who have always been there show no interest whatsoever in the latecomers.

For those who have always been there, everything is settled. They even pass judgment on the others: “We have always been here.”

No regard at all for those who arrive later. No regard, perhaps, because they have no questions themselves. Not even asking: “Why weren’t you here sooner? Where were you?” Instead, they act out of a false self-righteousness that has no eyes for the other person.

And when Jesus says at the very end of the Gospel that the last will be first, the message is also: do not be so certain in your supposed knowledge of God and how God works. Instead, have a generous heart for those who arrive later; have a heart for those who perhaps never had the chance to come in the first place because they were consumed by so many other burdens. And the third, brief point: they all receive a denarius. A denarius wasn’t a fortune; it was simply a daily wage at that time, enough to live decently for a single day.

You couldn’t accumulate riches with it—no building up savings accounts or checking balances—it was just enough to live decently for one day. And perhaps that is the key point: when one of them asks why they don’t receive more, perhaps the central message—and the whole parable is about the Kingdom of God—is that across all our strivings and our differences, we do not receive mere fragments. We don’t receive a fraction of the Kingdom of God, one person getting a slightly larger piece and another a smaller piece. Rather, what we receive—and I believe this is what the denarius given to everyone symbolizes—is the whole.

The Kingdom of God is not divided into portions—where one receives seven-twelfths, another two-eighths, or whatever—we receive the whole. And I believe God wants us to receive the whole, because the Kingdom of God has come to all people. Not so that they merely get a tiny taste of it, but so that, just as we are, we may trust that it is enough for us—enough for the fullness of the Kingdom of God.

Amen.

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